Stieg Larsson – Vergebung
Der dritte Teil ‘Vergebung’ beschreibt das spannende Ende des Millenium-Thrillers von Stieg Larsson.
Der dritte und letzte Teil der Millenuim-Trilogie von Stieg Larsson heißt ‘Vergebung’ und beginnt mit Lisbeth Salanders Aufenthalt im Krankenhaus. Stieg Larsson greift damit unmittelbar den Handlungsstrang des zweiten Teils – ‘Verdammnis‘ – wieder auf, ohne inhaltlich einen gewissen Zeitraum verstreichen zu lassen, wie es zwischen den beiden vorigen Teilen der Fall ist.
Die Zeichen stehen schlecht für Lisbeth Salander: Sie liegt schwer verletzt im Krankenhaus, hat keinen Zugang zum Internet und keinen persönlichen Kontakt mit der Außenwelt. Ihr Vater, Alexander Zalatschenko, liegt ebenfalls schwer verletzt nur wenige Meter von ihr entfernt im Krankenbett. Vater und Tochter schmieden Pläne, um den begonnenen Kampf gegeneinander baldmöglichst fortzusetzen, am besten direkt im Krankenhaus. Als Alexander Zalatschenko in seinem Krankenhauszimmer von einem offenbar verwirrten alten Mann ermordet wird und fast zeitgleich auch Gunnar Björck, ein in die Zalatschenko-Affäre verstrickter Sicherheitspolizist und direkter Zalatschenko-Kontaktmann, tot aufgefunden wird, tauchen Zweifel an diesem ‘Zufall’ auf.
Mikael Blomkvist bemerkt, dass er selbst, seine Schwester Annika Giannini, die auch die Anwaltschaft für Lisbeth Salander übernommen hat, sowie die gesamte Millenium-Redaktion überwacht und telefonisch abgehört werden. Sein Ziel, Lisbeth einen möglichst positiven Prozessausgang zu verschaffen, und auch die Veröffentlichung seiner Enthüllungsstory ist dadurch gefährdet. Die Antwort auf die Frage, welche Organisation Abhör-Methoden anwendet und zudem Informationen auf illegale Art und Weise in ihren Besitz bringt, ist schnell beantwortet: die Sicherheitspolizei, kurz SiPo genannt. Da die SiPo allerdings zu verfassungskonformem Arbeiten verpflichtet ist, bestimmte Hinweise aber auf verfassungswidrige Methoden hindeuten, erhärtet sich schnell der Verdacht, dass hier eine Organisation am Werk ist, die zwar die technischen Möglichkeiten und nach außen hin den Schutz der Sicherheitspolizei nutzt, dennoch in ihrem Schatten agiert und nach eigenen Regeln spielt. Dieser Gruppierung ist es auch zu verdanken, dass Zalatschenko als Staatsgeheimnis behandelt und Lisbeth Salander in die Psychiatrie gesteckt worden ist.
Mikael Blomkvist findet in Holger Palmgren, Lisbeths ehemaligem Betreuer, Dragan Armankij, dem Chef von Milton Security, und dem Team um Kriminalinspektor Jan Bublanski einige Verbündete im Kampf gegen die Sektion, die geheime Organisation innerhalb der SiPo. In Zusammenarbeit mit dem Verfassungsschutz finden sie heraus, welche Personen zur Sektion gehören und welche Strategie diese Leute im bevorstehenden Prozess gegen Lisbeth Salander verfolgen werden. Doch auch die Sektion selbst erkennt, dass sie in Gefahr ist aufzufliegen. Sie versucht mit allen Mitteln den Gang der Dinge in andere Bahnen zu lenken und schreckt dabei vor Mord nicht zurück.
Zu guter Letzt gipfelt Stieg Larssons Trilogie im juristischen Prozess, in dem Lisbeth Salander wegen Mordversuchs angeklagt werden soll. Dieser Prozess entwickelt sich immer mehr zur Anklage eines viel größeren Verbrechens, das verfassungswidrig und über viele Jahre hinweg durch eine Untergruppierung der SiPo begangen worden ist und einmalig in der schwedischen Geschichte sein dürfte.
Den dritten Teil der Millenium-Trilogie empfand ich als noch spannender als den zweiten: An verschiedenen Schauplätzen passieren Dinge, die über Lisbeth Salander, Alexander Zalatschenko oder über die Sektion miteinander in Verbindung stehen. Damit steigt die Spannungskurve stetig an. Viele Personen ermitteln an verschiedenen Enden und tragen ihre Ergebnisse einander zu, sodass sich ein Gesamtbild abzeichnet, das an Komplexität kaum zu übertreffen ist. Die Begabung sich eine so vielschichtige und umfassende Geschichte auszudenken, die obendrein äußerst glaubwürdig und realistisch daherkommt, ist wahrscheinlich nur guten Autoren vorbehalten. Respekt, Stieg Larsson!
