Juli Zeh – Schilf
‘Schilf’ von Juli Zeh ist ein philosophisch angehauchter Krimi-Roman.
Der Roman ‘Schilf’ von Juli Zeh ist ein Buch, an dem sich wahrscheinlich die Geister scheiden: Einerseits enthält es das Zeug zu einem guten Krimi mit einer guten Portion Humor und klar strukturiertem Handlungsstrang, andererseits ist es ein Buch, das sich auf Grund der gewöhnungsbedürftigen Erzählweise nicht locker-leicht herunterlesen lässt.
Sebastian steht mit beiden Beinen mitten im Leben. Er ist ein begabter Physiker mit einem Job an der Freiburger Universität und glücklicher Familienvater. Nachdem sein Sohn Liam auf dem Weg ins Pfadfinderlager entführt wird, erhält Sebastian telefonisch die Anweisung der Entführer, einen Mediziner zu töten, der Mitwisser in einem Pharma-Skandal und nebenbei der Radsport-Trainigspartner seiner Frau Maike ist. Von der Situation völlig überfordert gelingt es Sebastian dennoch den Tötungsauftrag zu erfüllen – mit physikalischer Berechnung.
Kommissar Schilf ist ein Ermittlungsprofi, dem man so schnell nichts vormacht. Er wird eigens zur Klärung der Entführung aus Stuttgart herangeholt, während seine Freiburger Kollegin Rita Skura im Mediziner-Mord ermittelt. Während Sebastian kurz vor einem Zusammenbruch steht, weil sich sein Sohn ganz planmäßig im Pfadfinderlager befindet und seine Entführung scheinbar nicht stattgefunden hat, untersucht Schilf Sebastians persönliches Umfeld. Als Schilf, der ein großer Fan von Sebastians physikalischen Fachartikeln ist, beginnt die Zusammenhänge zwischen der Entführung und dem Mord zu verstehen, beschließt er, Sebastian vor dem psychischen Kollaps zu bewahren und dem vermeintlichen Entführer eine schockierende Lektion zu erteilen.
Die Handlung des ‘Schilf’-Romans fand ich insgesamt schlüssig und spannend, besonders der humorvolle Unterton, den Juli Zeh verwendet, hat mir gut gefallen. Dass sich Wissenschaften wie Physik und Philosophie teilweise überschneiden, ist bekannt und wurde ebenfalls an verschiedenen Stellen deutlich. Was mich vor allem zu Beginn des Buchs etwas abgeschreckt hat, war Juli Zehs Erzählstil: Hier wurde nicht ‘klassisch rational berichtet’ wie man es aus den meisten Romanen kennt, sondern vom Leser verlangt, sich auf kreative und assoziative Art und Weise auf die Geschichte einzulassen. Dadurch hat Juli Zehs Roman eine ganz eigene Form von emotionaler Beteiligung erfahren, die ich als sehr spannend empfand, die aber sicherlich nicht jedermanns Sache ist…
