Arnulf Zitelmann – Hypatia
Das Buch von Arnulf Zitelmann erzählt von Hypatia, einer selbstbewussten und hoch gebildeten Frau, die im antiken Alexandria lebte (~370 – 415 n.Chr.) und mit ihren weltpolitischen und philosophischen Ansichten Kritiker wie Anhänger fand.
Hypatia schrieb Geschichte. Sie war eine der ersten Frauen, die sich in den von Männern beherrschten Wissensgebieten der Astronomie, Philosophie und Mathematik im antiken Alexandria behaupten konnte und in entsprechenden Disziplinen an der Hochschule lehren durfte. Basierend auf den eher spärlichen Überlieferungen dieser starken Persönlichkeit der Geschichte hat Arnulf Zitelmann einen historischen Roman geschrieben, der die Lebensweise und die politisch-religiösen Zustände der damaligen Zeit eindrücklich schildert.
Thonis konnte als ägyptischer Sklavenjunge das Handwerk des Schreibens erlernen und kommt als Schreiber nach Alexandria, ins wissenschaftlich-kulturelle Zentrum des Römischen Reiches. Er heuert als Sekretär bei Hypatia an, einer gebildeten Griechin, die an der alexandrinischen Hochschule (Musaion) Mathematik und Philosophie lehrt. Schnell erkennt Thonis, dass sich Hypatia stark für die politischen und religiösen Verhältnisse interessiert und gute Kontakte zu führenden Lokal-Politikern unterhält. Als der Bischof Kyrill gegen die Juden hetzt, kommt es zu einem gewalttätigen Ausbruch des Judenhasses, bei dem die in der Stadt lebenden Juden entweder ermordet werden oder mit knapper Not fliehen können. Die religiösen Konflikte beginnen sich immer weiter zuzuspitzen. Vor allem zwischen fanatischen, fundamentalistischen Christen einerseits und den Heiden und gemäßigten Christen auf der anderen Seite droht die Situation zu eskalieren. Thonis erlebt durch seinen engen Bezug zu Hypatia und seine Bekanntschaft mit Petrus, seinem ehemaligen Schreiblehrer und einem christlichen Fundamentalisten, hautnah mit, wie sich die Dinge entwickeln. Als heidnische Tempel zerstört und die religiösen Riten von Nichtchristen als heidnischer Aberglaube unter Strafe gestellt werden, beschließt Hypatia die Missstände öffentlich anzuprangern. Nach ihrem Aufsehen erregenden Auftritt erfährt Thonis, dass seine Herrin von den Fundamentalisten ermordet worden ist.
Ungefähr zu Zeiten des gewaltsamen Todes von Hypatia endet das Zeitalter der Antike. Das Christentum wurde 395 durch Theodosius I. als Staatsreligion eingeführt.
Ein wirklich spannender Roman, den Arnulf Zitelmann um die wahren Begebenheiten herum geschrieben hat. Im Hinblick auf die Auseinandersetzung mit Religion und die Beziehungen zwischen verschiedenen Religionen generell dürfte die Thematik zeitlos aktuell sein.
