Bodenschätze der Tiefsee
Die Ausbeutung von Rohstoff-Vorkommen auf dem Meeresboden birgt schwerwiegende ökologische und politische Risiken.
Eine spannende Dokumentation hat mich am 05.12.2008 ziemlich beeindruckt – in negativer Art und Weise. Es ging um den Abbau von Bodenschätzen in der Tiefsee.
Die auf Landmassen vorkommenden Rohstoffvorräte gehen nach heutigem Kenntnisstand in einigen Jahrzehnten zu Ende. Nicht alle Rohstoffe sind davon betroffen, aber einige sehr wichtige wie z.B. Erdöl, Kupfer, Gold und Silber. Dass in den Tiefen der Ozeane weitere, bisher kaum förderbare Rohstoffvorkommen lagern, ist der Wissenschaft und den Abbaukonzernen wohl bewusst. Allein die fehlende Technologie hat bislang eine Ausbeutung im großen Stil verhindert.
Doch dieser Schein trügt, wie die WDR-Dokumentation auf arte ‘Goldrausch in der Tiefsee’ sehr eindrucksvoll aufklärte: Moderne Tauchroboter sind mittlerweile in der Lage kilometerlange Pipelines auf dem Meeresgrund zu verlegen, schwarze Raucher vom Grund abzusägen oder Manganknollen vom Meeresboden aufzusammeln. Damit scheint die Möglichkeit des Massen-Abbaus tiefliegender Rohstoffe in greifbare Nähe gerückt zu sein.
Für den ständig wachsenden Rohstoff-Bedarf der Menschheit ist dies auf den ersten Blick eine gute Nachricht. Welche Probleme damit einhergehen können, wird allerdings erst beim genaueren Hinsehen deutlich:
- Schwerwiegende Umweltschäden durch den Abbau
Da es sich bei der Erschließung der Tiefsee um fast völlig unbekannte Gebiete handelt, über die man bisher nur sehr wenig weiß, tun sich zahlreiche ökologische Fragen auf, die bislang nicht beantwortet werden können:
Welche Folgen ergeben sich für die Umwelt, wenn in mehreren Tausend Metern Tiefe eine Pipeline bricht?
Was kann passieren, wenn ein riesiges Erdölfeld unter dem Meeresgrund leergepumpt ist?
Wie reagieren Lebewesen auf mechanische oder chemische Änderungen des Meeresbodens?
Werden wir die in der Tiefsee lebenden Kreaturen entdeckt und studiert haben, bevor sie durch kommerziellen Abbau für immer verschwinden?
Wie werden sich biologische, chemische oder mineralogische Veränderungen des Meeresgrundes auf Meeresströme, auf das Meerwasser oder auf das Klima auswirken? - Internationale Konflikte durch unklare Abbaurechte
Das Meer gehört niemandem. Jedes ans Meer angrenzende Land besitzt aber eine 200-Seemeilen-Zone entlang seiner Küsten, die ihm das exklusive Nutzungsrecht innerhalb dieses Meeresgebiets garantiert. Zwischen einigen Ländern überschneiden sich diese 200-Seemeilen-Zonen, was zu internationalen Konflikten führen kann. Der Internationale Seegerichtshof (ISGH) soll Streitigkeiten in solchen Angelegenheiten klären, wird aber faktisch nicht in Anspruch genommen: Auf Grund fehlender Kontrolle der Einhaltung der entsprechenden Gesetze, können die betroffenen Konfliktpartner Streitereien selbst klären – in der Regel zu Gunsten des Stärkeren. - Verschiebung politischer Machtverhältnisse durch neu entdeckte Rohstoffvorkommen
Ein Beispiel, das in der o.g. Dokumentation genannt wird: Der französische Erdöl-Konzern Total baut vor der Küste Angolas in 1400 Metern Tiefe Erdöl ab. Die Vorkommen an dieser Stelle sind sehr groß, sodass der Abbau vor Angola noch viele Jahre weitergehen wird. Den USA ist nicht entgangen, dass Angolas Erdöl-Vorkommen eine gute Basis für den eigenen heimischen Erdöl-Bedarf der Zukunft sein kann und haben damit begonnen, vor Angolas Küste verstärkt militärische Präsenz zu zeigen. Angola wird also in Zukunft für die USA ein immer wichtigerer Handelspartner werden, was das politische Machtgefüge in ganz Westafrika verändern kann.
Tja, da passieren gerade viele Dinge, die mich irgendwie beunruhigen.
Im Grunde findet das alles im Unsichtbaren statt. Wer kann schon überprüfen, was z.B. der Erdöl-Konzern Total auf dem Meeresboden vor Angola wirklich macht? Und was er in anderen Ozeanen auf dem Meeresgrund tut?
Da dieses Wettrennen um neu entdeckte Rohstoffe obendrein in einem Rahmen stattfindet, der rechtlich nicht vollständig geklärt ist, kann man nur hoffen, dass die Völker dieser Welt aus den Fehlern des bisherigen Rohstoffabbaus gelernt haben. Irgendwie habe ich aber das doofe Gefühl, dass nach wie vor nur der Profit zählt.
Ist es angesichts der Klima- und Umweltveränderungen, die sich mittlerweile eigentlich herumgesprochen haben sollten, immer noch in Ordnung sich gnadenlos auf Kosten der Umwelt zu bereichern?

04.03.2010 – 00:23:01
Die Gier nach Rohstoffen/Bodenschätzen im Meeresboden, wächst,mehr und mehr, doch leider wird dabei kaum auf die Umwelt geachtet.
Die Umwelt wird nach und nach sterben, denn schließlich lebt dort eine bunte Lebenswelt, die durch das Sterben anderer Arten gefährdet wird.
Es ist schade, dass viele Menschen, so auch der frz. Erdöl Konzern “Total”, so dogmatisch denken..
die Frage ist, was kann jeder einzelne dagegen tun, was ist mit dem Nordpol, abgesehen des Klimawandels? Wird es so sein, dass bald die Nord-west Passage genutzt werden kann und der Nordpol nach und nach zerstört wird?
Es ist nahezu unheimlich und erschreckend, wie schnell so etwas gehen kann.
29.04.2010 – 18:46:08
Die oben erwähnte Sendung habe ich nicht gesehen, aber die Ereignisse der letzten Tage belegen ja, dass tatsächlich schwerwiegende Schäden für die Umwelt entstehen können: Seit dem 21.4.2010 strömt nach dem Untergang der Bohrinsel Deepwater Horizon aus drei Lecks einer Unterwasser-Öl-Förderanlage ungehindert Rohöl in den Golf von Mexiko. Nach aktuellen Infos 800.000 Liter täglich!
Das ist absoluter Wahnsinn – nicht nur für die Menschen an den betroffenen Küsten der USA. Vor allem das Meer an sich und seine vielen Bewohner, z.T. noch unbekannte Arten, sind die Verlierer dieses Unglücks. In deren Namen sage ich: Vielen Dank BP!
Nach der Brent Spar war das schon der zweite dicke Klops mit Bohrinseln, den BP sich geleistet hat. Hoffentlich muss BP dafür ordentlich bluten …